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  |  11. September 2019

Leipzig hat europaweit eine der geringsten Eigenheimquoten

European City Dynamics 2019

Deutsche Großstädte gehören in Europa zu den Standorten mit dem geringsten Anteil an Wohneigentum: Gleich sechs deutsche Vertreter sind unter den zwölf europäischen Großstädten mit den geringsten Quoten zu finden, hat JLL im aktuellen Report „European City Dynamics 2019“ analysiert. Die wenigsten Eigenheimbesitzer wohnen demnach hierzulande in Leipzig, das auf einen Wert von nur elf Prozent kommt. Das wird in Europa nur noch von Genf (6 %) und Zürich (9 %) unterboten. Zum Vergleich: In der EU wohnen im Schnitt sieben von zehn Haushalten im Eigenheim.

Auf Platz zwei der deutschen Städte mit den niedrigsten Eigenheimquoten liegen Dresden und Berlin mit je 14 Prozent. Frankfurt kommt auf 19 Prozent, Düsseldorf und Hamburg folgen mit je 23 Prozent. München liegt mit 23,8 Prozent knapp dahinter. Die höchsten Eigenheimquoten finden sich derweil in den Zentren Osteuropas. Rumäniens Hauptstadt Bukarest sowie die beiden polnischen Großstädte Lodz und Kattowitz rangieren mit jeweils 90 Prozent an der Spitze.

„Im Vergleich mit vielen anderen europäischen Nachbarn, war der Anteil von Mietern in Deutschland ohnehin schon immer recht hoch. Dieser Trend hat sich in den vergangenen Jahren aber noch verstärkt. Die Gründe: Insbesondere jüngere Menschen wollen in den Metropolen leben. Doch dort sind kaum Objekte verfügbar und wenn doch, sind diese oft nicht erschwinglich. Entsprechend weichen viele auf ein Mietobjekt aus“, so Konstantin Kortmann, Head of Residential Investment JLL Germany. Ein Beispiel: Die Quote der Einpersonenhaushalte ist in den europäischen Hauptstädten um 6,8 Prozent höher als in deren jeweiligen Ländern.

Generell fallen zwei Trends ins Auge, wenn man die Wohnimmobilienmärkte europäischer Großstädte vergleicht: Zum einen wächst die Bevölkerung in den Großstädten, zum anderen gibt es in Europa eine große Vielfalt an Wohnformen. Schon in zehn Jahren dürften rund drei Viertel der europäischen Bevölkerung in den Städten heimisch sein. Der Bedarf an Wohnraum, aber auch an Arbeitsplätzen bleibt also auf hohem Niveau – und damit sind weiter gute Aussichten für Immobilien-Investments gegeben. Sogar dort, wo die Einwohnerzahl stagniert, nimmt die Zahl der Haushalte zu – und damit die Nachfrage nach Wohnungen.

Städte bieten zunehmend Wohnmodelle für jede Lebensphase an
Dabei differenziert sich der Bedarf gerade im Bereich Living. Während die europäischen Gesellschaften im Schnitt immer älter werden, wächst auf der anderen Seite in fast 40 Prozent der Städte der Anteil der Jüngeren. Das bietet Investoren die Chance zur Diversifizierung über Immobilien für alle Lebensphasen. So leben beispielsweise 54 Prozent der europäischen Studierenden im städtischen Umfeld – und benötigen dort eine Unterkunft. Das wiederum eröffnet neue Investmentchancen im Bereich Student Housing. Auf der anderen Seite steigt der Bedarf an altersgerechten Wohnformen: Fast 60 Prozent der Europäer über 75 Jahren ist gesundheitlich eingeschränkt, der Wohnmarkt – von angepassten Wohnungen bis hin zu Pflegeimmobilien – deckt den steigenden Bedarf noch längst nicht ab.

„In einem gesunden Markt herrscht eine gewisse Balance aus Besitzen und Mieten. In Deutschland kommt allerdings die besondere Situation hinzu, dass Mieter hier viel mehr Rechte haben als in anderen Ländern, wo Mietverträge beispielsweise befristet sind. Auch in der Gestaltung der Mietwohnung gibt es in Deutschland viel mehr Freiheiten, sodass ein Mieter faktisch kaum Nachteile gegenüber einem Eigentümer hat“, so Kortmann.

Die Lage in Deutschland werde sich allerdings durch die aktuellen Regulierungsinitiativen verschieben. „Es ist davon auszugehen, dass sich der Druck von den dann regulierten auf die freien Bereiche verlagern wird. Konkret heißt das: Ein stark regulierter Mietmarkt, wird das Angebot noch weiter schrumpfen lassen, so dass viele Wohnungssuchende nur auf den Eigentumsmarkt ausweichen können, was dort wiederum Nachfrage und Preise befeuern wird“, so Kortmann abschließend.
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